Biologische Psychiatrie und ihr Ursprung

10. Februar 2010

Bereits seit den 1970er Jahren gibt es die Sonderform der Psychiatrie in Form der biologischen Psychiatrie. Sie stellt im Grunde genommen eine Erweiterung der üblichen Psychiatrie dar, da sie davon ausgeht, dass psychische Störungen nicht allein aufgrund äußerer Umstände entstehen, sondern genauso häufig in Verbindung mit biologischen Erkrankungen auftreten können. Seit mittlerweile fast 40 Jahren kämpft die biologische Psychiatrie, die biologischen Erkrankungen in der Psychiatrie mit einzubinden. Hierbei geht es darum, beispielsweise bildgebende Verfahren einzuführen.

Durch den so entstehenden besseren Überblick über den Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Gehirns soll zudem die Möglichkeit entstehen, die Erkrankungen der Psyche besser zu verstehen. So werden beispielsweise Veränderungen im menschlichen Hirn mittels computer- bzw. kernspintomographischen Untersuchungen dargestellt. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie eine psychische Erkrankung entstanden ist, was ihr Auslöser war und wie sie behandelt werden kann. So gilt es heute als bewiesen, dass Veränderungen in den frontotemperalen Regionen des Hirns zu schizophrenen Psychosen führen. Sie sollen nach Meinung der biologischen Psychiatrie in mehreren Schüben während der Erkrankung auftreten. Diese Veränderungen ergeben sich aber nicht nur durch die Erkrankung selbst, sondern genauso durch verschiedene Behandlungsmaßnahmen, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden.

Schwieriger wird die Erkennung der Ursachen bei den so genannten affektiven Psychosen, da diese kaum Veränderungen in den Hirnarealen mit sich bringen. Lediglich am Hypothalamus können kleinere Veränderungen erkannt werden. Trotzdem diese Veränderungen also bei einigen psychischen Erkrankungen auftreten, werden die bildgebenden Verfahren bis heute kaum zur Diagnose eingesetzt. Weiter entwickelte bildgebende Verfahren, wie die Magnetresonanzspektroskopie oder das Diffusions Tensor Imaging sind ebenfalls möglich, sie sind jedoch noch nicht hinreichend erforscht, um tatsächliche Aussagen zu einzelnen Krankheitsbildern zu schaffen.

Risikogruppen erkennen

Obwohl die Ansätze zur Untersuchung der Hirnareale mittels bildgebender Verfahren durchaus eine Möglichkeit darstellen, werden sie in der Diagnostik psychischer Erkrankungen bisher kaum angewendet. Deshalb sucht die biologische Psychiatrie derzeit nach anderen Möglichkeiten, eine Diagnose gezielt zu stellen. Hierbei ist die Diagnose, die in anderen Bereichen der Medizin mittels eines klinischen Gesamtbildes entsteht, aber durch apparative Diagnostik untermauert werden muss, das Vorbild. Dabei sollen zunächst aus den apparativen Ansätzen der Psychiatrie klinische Symptome und Gesamtbilder entwickelt werden, mit deren Hilfe die Erkennung von Risikogruppen erleichtert werden soll.

Dabei kommen beispielsweise genetische Untersuchungen in Frage. Sie sollen bestimmte vorhandene Gene aufweisen, die bereits als Indikator für eine bestimmte Erkrankung, wie etwa die Demenz, bekannt sind. Diese genetischen Marker sollen dann Aufschluss darüber geben, wie hoch das Risiko einer Person ist, an einer psychischen Erkrankung zu leiden. Demzufolge können dann im folgenden Verfahren auch bessere Auswahlen bei möglichen Therapieformen getroffen werden.

Allerdings sind genetische Untersuchungen derzeit, wohl auch aufgrund der Kosten, nur selten zu finden. Ebenfalls stehen den Untersuchungen ethische Beweggründe entgegen. Aus diesem Grund wird die genetische Untersuchung nur selten durchgeführt. Wenn jedoch bereits ein erhöhtes Risiko einer bestimmten Personengruppe ermittelt worden sein sollte, ist es wichtig, diese genetischen Untersuchungen durchzuführen, um so die richtigen Behandlungsansätze finden zu können. Des Weiteren muss eine phänotypische Charakterisierung der einzelnen psychischen Probleme erfolgen. Wenn dies möglich wird, die biologische Psychiatrie forscht daran, wird es auch möglich, etwa eine schizophrene Psychose frühzeitig zu erkennen. Diese kann dann ebenfalls recht frühzeitig behandelt werden. Die kognitive Psychotherapie kann in einem solchen Fall bereits als vorbeugende Maßnahme eingesetzt werden und so den endgültigen Ausbruch der Psychosen verhindern, zumindest aber deutlich lindern. Ebenfalls kann mit leicht dosierten Antidepressiva gearbeitet werden, die zumindest im Anfangsstadium einer psychischen Erkrankung noch entsprechende Wirkungen aufweisen sollten. Neben den Antidepressiva als mögliche Behandlungsmethode kommen auch Stimmungsstabilisatoren in Frage. Hierzu zählt etwa Lithium. Die biologische Psychiatrie muss also noch in weiten Teilen gründlich erforscht werden, bevor hierbei tatsächlich mit bahnbrechenden Entdeckungen gerechnet werden kann.