Entspannungstherapie
Verschiedenartige Therapieformen kommen auch in der biologischen Psychiatrie zum Einsatz. Dabei sind unter anderem die verschiedensten Entspannungsübungen zu finden. Sie zählen zu den Basistherapieverfahren der biologischen Psychiatrie und können sowohl bei psychischen, als auch bei psychosomatischen Erkrankungen eingesetzt werden. Dabei dienen sie ganz nebenbei auch dem allgemeinen Stressabbau und damit der generellen Gesunderhaltung des Körpers und der Psyche.
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Warum der Körper anspannt
Zunächst einmal muss man sich, um die Möglichkeiten der Entspannungstherapie zu verstehen, damit auseinandersetzen, wie unser Körper reagiert. So haben wir im Laufe unserer Entwicklung gelernt, alle Energiereserven des Körpers zu aktivieren, wenn wir uns in einer brenzligen Situation befinden. Dazu zählten zu Urzeiten Bedrohungen durch wilde Tiere. Binnen Sekunden musste der Mensch sich für Kampf oder Flucht entscheiden. Hierbei wurden körpereigene Stresshormone, also Adrenalin, freigesetzt, die Atmung wurde schneller, um mehr Sauerstoff zu erhalten und die Schweißbildung erhöhte sich, um den Körper zu kühlen. Während des Kampfes oder der Flucht wurde diese Energie, die lebensnotwendig war, aufgebraucht, danach kehrte wieder Ruhe in den Körper ein.
Heute sind Kampf oder Flucht aber nicht mehr die Mittel der Wahl, wenn wir uns in brenzligen Situationen, etwa im Straßenverkehr oder bei einem Job, der permanente Aufmerksamkeit fordert, befinden. Vielmehr müssen wir in dieser Situation verharren. Auch heute noch werden die typischen Vorgänge im Körper aktiviert. Allerdings dauert es oft Stunden, bis man wieder zur Ruhe kommt. In der Zwischenzeit sind weitere brenzlige Situationen entstanden, der Körper steht also ständig unter Strom und kann sich gar nicht mehr richtig entspannen. Dadurch kommt es zu den heute weit verbreiteten Stresssymptomen, wie Schlafstörungen, Magenbeschwerden oder Bluthochdruck, die zu erheblichen und dauerhaften weiteren Erkrankungen führen können.
Entspannungsverfahren zum Stressabbau nutzen
Durch diese permanente Anspannung wiederum kann der Körper nicht zur Ruhe kommen. Gezielt wird deshalb in der biologischen Psychiatrie, ebenso wie in zahlreichen anderen Formen der Psychiatrie versucht, Entspannung herzustellen. Dabei wird häufig Sport als Form des Stressabbaus empfohlen, aber auch andere Entspannungsverfahren kommen häufig zum Einsatz.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand die progressive Muskelrelaxation, kurz PMR, die vom Arzt E. Jacobson entwickelt wurde. Hierbei geht es darum, einzelne Muskelgruppen gezielt zu entspannen. Dadurch wird dem Körper mitgeteilt: Die Muskeln sind entspannt, es ist Zeit für Ruhe, alle anderen Systeme können ebenfalls herunter gefahren werden.
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Neben der PMR kann auch autogenes Training genutzt werden. Es wurde ebenfalls zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelt, und zwar von dem Nervenarzt J. H. Schultz. Hierbei geht es darum, durch innerlich geführte Aussagen zur Entspannung zu finden. Der Patient sagt sich immer wieder, dass die Arme schwer und warm werden, woraufhin es zur Entspannung kommt. Fortgeschrittene erreichen sogar eine meditative Entspannung. Durch die Entspannung, die man nach einiger Übung selbst herbeiführen kann, werden die Blutgefäße geweitet und der Blutdruck gesenkt. In der Folge davon werden auch alle anderen Entspannungsreaktionen des Körpers eingeleitet.
Auch die Hypnose dient in der biologischen Psychiatrie als Form der Entspannungsübung. Dabei wird ein schlafähnlicher Zustand suggeriert, der das Bewusstsein verengen soll. Ebenfalls können Atemtechniken angewendet werden, um den Körper zur Ruhe zu führen und zur Entspannung zu verhelfen.
Die Entspannungsmethoden ließen sich sicherlich noch beliebig lange fortsetzen, allerdings handelt es sich bei den hier vorgestellten Therapien um die am häufigsten eingesetzten. In Zeiten, in denen zunehmend mehr Menschen unter Burn Out, also der chronischen Erschöpfung leiden, ist es jedoch besonders wichtig, solche und ähnliche Entspannungsmethoden zu erlernen. Durch diese kann der Stress des Alltags gezielt abgebaut werden. Allerdings sollte auch genügend Zeit vorhanden sein oder genommen werden, um die Entspannungstechniken wirklich erlernen zu können. Am besten eignen sich hierfür verschiedene Kurse, in denen in der Gruppe gelernt werden kann.
Bilder: © Oliver Haja; Daniel Lachmann – www.pixelio.de