Schizophrenie

Eine der häufigsten psychischen Erkrankungen ist die Schizophrenie. Gemeinhin gingen die Forscher davon aus, dass diese sich aufgrund eines genetischen Defekts entwickelt, der für Veränderungen der Hirnstruktur des Menschen sorgt. Festgestellt wurde dieses mit Hilfe bildgebender Verfahren, die in der biologischen Psychiatrie eine entscheidende Rolle spielen. Dabei wird das Gehirn abfotografiert, ähnlich, wie mit einer Minikamera und anschließend werden die Bilder ausgewertet. Dabei ergeben sich oft Veränderungen im Gegensatz zu einem „gesunden“ Gehirn.

Mittlerweile ist die Forschung aber bereits soweit, dass sie erkannt hat, dass ein „angeborener“ störender Effekt alleine nicht verantwortlich für die Schizophrenie ist. Vielmehr spielen auch die Erlebnisse innerhalb des eigenen Lebens hierfür eine wichtige Rolle. Zwar sind die Gehirnfunktionen, sowie die Veränderungen im Gehirn dadurch nicht nur zweitrangig anzusehen, allerdings sind sie nicht alleine entscheidend. Dabei beruft man sich in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Zwillingsstudien, die einst durchgeführt worden. Allerdings werden zunehmend mehr kritische Stimmen laut, die bei den Zwillingsstudien ein falsches Vorgehen kritisieren. Außerdem wurde mit ihnen eine Vererbbarkeit der Veranlagung zur Schizophrenie mit einer Wahrscheinlichkeit ermittelt, die zwischen 30 und 70 Prozent liegt und damit einfach nicht aussagekräftig genug ist. Die biologische Psychiatrie muss nun also wieder von anderen Ursachen als Auslöser für die Schizophrenie ausgehen, etwa Schädigungen, die vor oder auch während der Geburt entstanden sind, sowie biopsychosoziale Einflüsse.

Zu diesen Einflüssen zählen vor allem Annahmen darüber, dass die Schizophrenie etwa durch zerrüttete Familienverhältnisse ausgelöst werden könnte. Somit wird anerkannt, dass auch psychische Ursachen für die Schizophrenie in Frage kommen, wenngleich diese kaum untersucht werden. Die Forscher und Mediziner konzentrieren sich vermehrt auf die biologischen Aspekte, die eine Schizophrenie hervorrufen sollen.

Seit 2006 ist die Fachwelt zerstritten

Auf zwei Kongressen wurde im Jahr 2006 ein neuer Bezug für die Ursachen der Schizophrenie vorgestellt: Schwere traumatische Erlebnisse, wie sexuelle Gewalt oder körperliche Misshandlungen anderer Art könnten demzufolge eine weitere, wichtige Ursache für die Erkrankung sein. Dabei sprachen die Forscher die biologischen Ursachen zwar nicht ab, sie zeigten jedoch auf, dass traumatische Erlebnisse lange Zeit als Auslöser für die Schizophrenie völlig unterschätzt wurden.

Laut den Erkenntnissen der Forscher, die empirisch belegt sind, gilt, dass sexuelle und körperliche Gewalt, sowie emotionale Vernachlässigung sehr häufig mit anderen Störungen einhergingen. Insbesondere das Hören von Stimmen, sowie visuelle Halluzinationen traten bei den betroffenen Personen auf. Ebenfalls zeigten sich die psychotischen Symptome stärker, wenn das Trauma schwerer war. Sie belegten außerdem, dass die psychiatrische Behandlung bei den Betroffenen bessere Erfolge gebracht habe, als die rein medikamentöse Therapie.

Dennoch kam es zum Eklat in der Fachwelt. Denn sämtliche Untersuchungen, die diese Ergebnisse ans Licht brachten, beruhten nicht auf den so genannten „harten“ Fakten. Dazu zählen Gerichtsurteile und polizeiliche Unterlagen. Vielmehr beruhten die Untersuchungen auf Befragungen der Personen, die aus ihrer Erinnerung heraus sprachen. Insbesondere die Kritiker des betreffenden Forscherteams hatten damit einen wunden Punkt entdeckt. Denn eines der Symptome bei Schizophrenie ist das Verwechseln von Realität und Traum – aus diesem Grund werden die Aussagen der an Schizophrenie leidenden befragten Personen oft angezweifelt.

Natürlich fanden auch die Forscher selbst hierauf wieder eine Antwort. Es sei nämlich belegt, dass Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs bei Patienten, die an Schizophrenie leiden, nicht häufiger als bei anderen Menschen vorkommen. Insofern entbrennt derzeit ein neuer Streit, der nun unterscheiden will, ob psychische Probleme zu Schizophrenie und ähnlichen Krankheiten führen oder ob eher andere Faktoren, wie die aus der biologischen Psychiatrie bekannten Ursachen als Auslöser für die Krankheiten anzuerkennen seien. Lange Zeit waren aus unserem Bewusstsein die psychischen Traumata verdrängt worden, die Schizophrenie galt als Krankheit, die durch Vererbung, genetische Defekte und Neurotransmitter hervorgerufen wird. Nun scheinen diese Ansätze jedoch widerlegt zu werden.

Bilder: © Krümel; S. Hofschläger – www.pixelio.de